Projektbeschreibung

Das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderte Projekt „Steuerung personalisierter Lungenkrebstherapie durch digitale Vernetzung von Behandlungspartnern und Patient:innen (DigiNet)“ will durch digitale Vernetzung spezialisierter nNGM-Zentren mit Krankenhäusern, Praxen und Patient:innen molekular gesteuerte Therapien für möglichst alle Patient:innen mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs verfügbar machen und deren Einsatz kontinuierlich steuern und evaluieren.

Glühbürne DigiNet

Hintergrund

Personalisierte Krebstherapien gewinnen in der Therapie aller Krebserkrankungen an Bedeutung. Besonders dynamisch verläuft die Entwicklung bei den nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC), die rund 85 Prozent aller neuen Lungenkrebs-Diagnosen repräsentieren und die Liste der häufigsten Krebstodesursachen anführen. Für ca. 20 Prozent der Patient:innen mit fortgeschrittenem Adenokarzinom der Lunge ist eine mutationsgesteuerte personalisierte Therapie heute Erstlinienstandard. Für weitere circa 30 Prozent werden sie in Kürze in der Regelversorgung zur Verfügung stehen.

Grundlage für die Behandlung mit personalisierten Medikamenten ist eine molekulare Tumordiagnostik unter Einsatz neuer DNA- und RNA-Sequenziertechnologie, eine kompetente Interpretation der Befunde sowie Erfahrung mit der Durchführung molekular gesteuerter Therapien. Unter diesen Voraussetzungen werden mit personalisierten Therapien substantielle Verlängerungen des Überlebens erzielt bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit.

Die Implementierung einer solchen forschungsnahen Medizin in die Breite der Versorgung stellt für das deutsche Gesundheitssystem mit seiner Vielzahl von Leistungserbringern eine große Herausforderung dar. So wird beispielsweise beim fortgeschrittenen NSCLC trotz Leitlinien-Empfehlung circa ein Drittel der Patient:innen gar nicht getestet und nicht alle getesteten Patient:innen erhalten die bestmögliche Therapie. Neben den fatalen Konsequenzen für die Patient:innen führt die fehlende Steuerung auch zu einem unkontrollierten Einsatz neuer hochpreisiger Medikamente, teilweise im Off-Label-Use. Diese Situation erfordert neue Formen der Zusammenarbeit zwischen forschungsnahen Zentren sowie Krankenhäusern und Praxen.

Worum geht es im Projekt DigiNet?

In zwei Modellregionen (West: NRW, Ost: Berlin und Sachsen) wird über DigiNet eine tiefe, transsektorale digitale Vernetzung realisiert und als neue Versorgungsform evaluiert.

Dafür wurde im nationalen Netzwerk Genomische Medizin (nNGM) eine neue Arbeitsteilung zwischen forschungsnahen Zentren, in denen die molekulare Diagnostik, die Therapieempfehlung und die zentrale Evaluation stattfindet und Versorgern in der Breite, bei denen die Mehrzahl der Patient:innen weiterhin behandelt werden, aufgebaut.

Ziel von DigiNet ist nun eine intensive, digitale Vernetzung der regionalen Netzwerkpartner (Krankenhäuser, Praxen) und der Patient:innen miteinander und mit den ausgewählten nNGM-Zentren aus den Modellregionen Ost und West, um eine kontinuierliche Steuerung und Evaluation molekular gesteuerter Therapien über den gesamten Krankheitsverlauf zu gewährleisten.

Um zu evaluieren, ob die optimierte Steuerung der onkologischen Präzisionsmedizin das Überleben und die gesundheitsbezogene Lebensqualität von NSCLC-Patient:innen im Vergleich zur Regelversorgung steigert, ist eine prospektive Kohortenstudie einschließlich einer qualitativen Studie zur Erhebung von förderlichen und hemmenden Faktoren bei der Umsetzung geplant.

Hierzu werden Patient:innen, welche die neue Versorgungsform erhalten, mit Patient:innen verglichen, die eine Regelversorgung erhalten. Zusätzlich werden die finanziellen Aspekte in einer gesundheitsökonomischen Analyse evaluiert. Das Projekt wird für vier Jahre mit insgesamt ca. zehn Millionen Euro gefördert.

Unsere Projektbegleiter